75 Jahre Grundgesetz: Demokratieverständnis muss gestärkt werden

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Der Freistaat Bayern plant eine Verfassungsviertelstunde in Schulen, um das Demokratieverständnis zu fördern. AWO Schwaben plädiert dafür, das Thema Demokratiebildung kontinuierlich in Bildungs- und Erziehungsarbeit zu integrieren.

Demokratie hat viele Bausteine. Die AWO Schwaben plädiert dafür, die Demokratiebildung kontinuierlich in Bildungs- und Erziehungsarbeit zu integrieren. Foto: AWO Schwaben / Daniela Ziegler

Die AWO Schwaben begrüßt das Vorhaben der Regierungskoalition im Freistaat Bayern, Kindern und Jugendlichen das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland nahezubringen und seine Bedeutung für das friedliche Zusammenleben in unserer Gesellschaft zu vermitteln. Die nun angekündigte Umsetzung der „Verfassungsviertelstunde“ geht dem Wohlfahrtsverband jedoch nicht weit genug. Brigitte Protschka, Präsidentin der AWO Schwaben: „Das ist das alte Gießkannenprinzip! Es ist zu wenig, zu selten und setzt zu spät an.“ Laut Pressemeldungen soll es in den Grundschulen die Verfassungsviertelstunde zunächst nur in zwei Jahrgangsstufen geben, in den weiterführenden Schulen in je einer  Jahrgangsstufe der Unter-, Mittel- und Oberstufe. „Um unsere Demokratie zu verteidigen gegen radikale Stimmen und Bewegungen müssen wir das Thema aber kontinuierlich in die Bildungs- und Erziehungsarbeit einbetten“, so Protschka.

 

Demokratiebildung bereits im Kindergarten
Die AWO Schwaben geht hier mit gutem Beispiel voran. „Wir setzen viel früher an“, so Vorständin Silke Scherer, zuständig für das Ressort Kinder, Jugend und Familie. „In unseren derzeit 36 Kindertagesstätten leben wir Demokratie und Grundrechte tagtäglich.“ Unter dem Motto „Kita–Kids lernen Demokratie“ erfahren die Kinder, wie Entscheidungen mit Argumenten unterfüttert, Mehrheiten gesucht und die Kinderrechte gestärkt werden. Scherer: „In Plenarsitzungen der Kinderparlamente leben und erleben schon die Kleinsten Demokratie und was Mitbestimmung bedeutet. Die Kinder bekommen darüber ein Gefühl für den Stellenwert unserer Rechte, die auf dem Grundgesetz fußen“.

Die AWO Schwaben fordert von der Bayerischen Staatsregierung eine zügige Umsetzung der Stärkung des Demokratieverständnisses in allen Jahrgangsstufen. „Dieser Inhalt im Lehrplan ist nicht zu diskutieren“, bekräftigt Dieter Egger, Vorstandsvorsitzender der AWO in Schwaben. „Neben der jeweils altersgerechten Sensibilisierung aller Schülerinnen und Schülern sollten wir schon bei den Kindergartenkindern anfangen und das Engagement von Kita-Trägern honorieren, die mit pädagogischen Konzepten die  nächsten Generationen mit dem Schatz vertraut machen, den unser Grundgesetz für  unsere Gesellschaft bedeutet.“ Egger kann sich hierbei einen pauschalen Zuschuss aus  Landesmitteln vorstellen, der Projekte, wie das der AWO Schwaben, fördert.

 

Verteidigung unserer Demokratie gegen radikale Kräfte
Der schwäbische AWO Bezirksverband macht sich stark für die Stärkung  unserer Demokratie und die Verteidigung gegen radikale Angriffe auf die Errungenschaften unserer solidarischen Gesellschaft - und das nicht nur im Kindesalter. So hat sich das Präsidium des Verbandes im Februar in einem Positionspapier mit der Partei  „Alternative für Deutschland“ (AfD) auseinandergesetzt. In dem Papier heißt es, die AfD  sei nicht als Partei des demokratischen Spektrums anzusehen und insofern auch nicht  als eine solche zu behandeln. Auch wenn die AfD demokratisch gewählt worden ist,  zeige sie in Teilen eine demokratie- und menschenfeindliche Haltung, die mit Bezug auf  bestimmte Personen sogar vom Verfassungsschutz als faschistisch definiert und beobachtet wird. Die Programmatik der AfD sei größtenteils mit den Grundwerten und dem  Grundsatzprogramm der Arbeiterwohlfahrt nicht zu vereinbaren.

 

Öffentlich einstehen für unsere Grundwerte
Die Arbeiterwohlfahrt in Schwaben steht uneingeschränkt zu den Grundwerten Solidarität, Toleranz, Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit und stellt sich entschieden allen  Bestrebungen entgegen, die diesen Grundwerten entgegenwirken. Dies zeigt der Bezirksverband auch öffentlich, zum Beispiel, in dem er sich an der Aktion gegen Antisemitismus von Kabarettist Christian Springer beteiligt. Im Sommer wird ein überdimensionaler Stuhl vor dem AWO Seniorenheim in Memmingen aufgestellt. Der Initiator der  Aktion wird zum Start sowie mehrfach im Verlauf vor Ort präsent sein. Die Botschaft  von Christian Springer: „Vor 100 Jahren, also am 8. November 1923, stellte sich Hitler auf so einen Stuhl im Bürgerbräukeller, wo heute der Gasteig steht, und rief: jetzt regieren die Nazis“. „Damit radikale Kräfte nie wieder die Oberhand gewinnen, macht sich die AWO Schwaben stark für eine starke Demokratie und gratuliert unserer Gesellschaft zum 75. Jubiläum des Grundgesetzes“, erklärt AWO-Präsidentin Brigitte Protschka.

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