Der Arbeiterwohlfahrt Bezirksverband Schwaben e. V. (AWO Schwaben) war auf der Welt-Aids-Konferenz in München vertreten und diskutierte mit, als es um die Versorgung der Menschen mit HIV bzw. Aids ging. „Global betrachtet stehen wir in Deutschland sicher besser da, als die meisten Regionen in der Welt. Wenn man genauer hinsieht, gibt es jedoch große Unterschiede zwischen Metropolregion und länglichem Raum“, so Dr. Stephanie Linder. Die Psychologin leitet das AWO Zentrum für Aidsarbeit Schwaben (ZAS). Ihr Team der Fachstelle mit Sitz in Augsburg ist für ganz Schwaben zuständig. Im Rahmen der internationalen Aidskonferenz mit dem Motto „put people first“ brachte sich die Psychologin mit ihrer Fachexpertise ein. Insbesondere die HIV-Versorgung im ländlichen Raum und die damit zusammenhängenden Herausforderungen standen dabei im Fokus.
Für eine gelungene Versorgungsstruktur für HIV-positive Menschen ist die Zusammenarbeit verschiedener Akteure aus Medizin, psychosozialer Beratung und politischen Engagement wesentlich. Eine wichtige Säule ist dabei die vom AWO Bezirksverband Schwaben e. V. getragene Fachstelle für den Regierungsbezirk Schwaben. „Auf dem Land sind die Patientinnen und Patienten aber medizinisch oft schlecht versorgt. Es gibt zu wenige Schwerpunktärztinnen und -ärzte, die spezialisiert sind für die Behandlung von HIV positiven Menschen.“ Brigitte Protschka, Präsidentin der AWO in Schwaben: „Wir fordern die Stärkung der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum, insbesondere auch für Menschen mit HIV-Infektion“. Protschka bekräftigt: „Es braucht geeignete Strukturen für Therapie und Begleitung und ein Bewusstsein im Gesundheitswesen, dass die Betroffenen in die Mitte unserer Gesellschaft gehören“.
Aufklärung und Prävention sind wesentlich
Für Dr. Stephanie Linder ist Aufklärung über HIV und Aids ein Herzensanliegen: „Es ist wichtig, dass wir mit unseren Angeboten dazu beitragen, eine Veränderung des Wissens und der Haltung gegenüber HIV und den Menschen, die davon betroffen sind, anzustoßen.“ Aus der einst tödlichen Diagnose ist über den medizinischen Fortschritt eine chronische Erkrankung geworden, mit der HIV-positive Menschen bei frühzeitiger Erkennung lange und gesund leben können. Für viele Betroffene sind jedoch Ausgrenzung und Diskriminierung nach wie vor ein großes Problem. Gerade im ländlichen Raum ist Stigmatisierung oftmals noch ein großes Problem. Es braucht eine Offenheit für das Thema HIV in der Bevölkerung und den Abbau bestehender Ängste. Diskriminierung geschieht nicht nur im privaten oder beruflichen Kontext. „Besonders belastend sind negative Erfahrungen im Gesundheitsbereich“, weiß die neue Leiterin des ZAS aus den Gesprächen mit Klient*innen und ihren Mitarbeiter*innen. „Dabei handelt Fachpersonal, zum Beispiel in Rehabilitationseinrichtungen, häufig aus eigener Unsicherheit und fehlendem Wissen unsensibel. Das verdeutlicht uns, wie wichtig unsere Schulungen für Fachkräfte im Gesundheitsbereich sind. In diesen klären wir über HIV auf und bauen bestehende Unsicherheiten ab.“
Kostenloses und anonymes Angebot für ganz Schwaben
Über Infektionswege, Prävention, Test- und Gesprächsangebote kann man sich auf der Internetseite des ZAS informieren: www.zas-schwaben.de. Die AWO-Einrichtung berät kostenlos und anonym. Linder ist sich sicher: „HIV bleibt grundsätzlich ein Thema, das uns alle angeht, da es allen persönlich begegnen kann.“









