Presse-Mitteilung | Stadtbergen 12. Mai 2026

Dieter Egger (Vorstandsvorsitzender sowie Vorstand Personal, Altenhilfe und Behindertenhilfe der AWO Schwaben) fordert massive Änderungen  im Pflegebereich.  Foto: AWO Schwaben / Guido Köninger

Zum Tag der Pflege am 12. Mai spricht Dieter Egger, Vorstandsvorsitzender sowie Vorstand Personal, Altenhilfe und Behindertenhilfe beim AWO Bezirksverband Schwaben e. V. (AWO Schwaben) über Probleme im Pflegebereich. Er erklärt, warum der Staat in der Pflicht ist, Rahmenbedingungen für eine gute Pflege zu schaffen, und wie Pflege zukunftsfähig gestaltet werden kann.

  

 

Herr Egger, beim Thema Pflege werden an erster Stelle immer die extrem hohen Kosten für Senioren- und Pflegeheime und die 
Eigenanteile genannt. Wie beurteilen Sie dieses Problem?

Dieter Egger: Dieses Problem ist offensichtlich und bewegt selbstverständlich sehr viele Menschen, denn jeder von uns kann früher oder später davon betroffen sein. Klar ist: gute Pflege hat ihren Preis. Es handelt sich um eine personalintensive Dienstleistung, der Anteil der Personalkosten an den Gesamtkosten beträgt über 70 Prozent. Aber ich sage auch ganz deutlich: Pflege muss bezahlbar sein! Der Weg dorthin ist jedoch nicht so einfach, da das Thema ziemlich komplex ist. Als Träger von 22 Seniorenheimen werden wir tagtäglich mit dem Problem der Finanzierbarkeit und der Kritik der Betroffenen konfrontiert. 

Woher resultieren diese extremen Kosten für stationäre Pflege? 
Ein Platz in einem AWO-Heim ist kein Schnäppchen.

Die steigenden Kosten betreffen alle Träger, nicht nur uns! Denn von grundsätzlichen Preissteigerungen etwa bei Lebensmittel- und Energiekosten, ist jeder betroffen. Bei uns wirken sich vor allem Tariferhöhungen aus. Uns ist eine angemessene und faire Bezahlung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr wichtig. Durch die notwendige Umlegung der Kosten fallen die Erhöhungen ins Gewicht. Was aus Sicht der Mitarbeitenden wünschenswert ist, wirkt sich leider monetär auf die Bewohnerinnen und Bewohner aus. Als AWO Schwaben sind wir hier in einer echten Zwickmühle. Hinzu kommt, dass wir eine Vielzahl an Pflegekräften ausbilden. Es ist gesetzlich geregelt, dass die Kosten für die Ausbildung der Pflegekräfte auf die Bewohnerinnen und Bewohner umgelegt werden müssen. Dies entbehrt jedoch jeglicher Sozialstaatlichkeit. 

Sie sehen also die Politik in der Pflicht?

Pflege ist ein gesamtgesellschaftliches Thema und Altenpflege ist eindeutig eine Aufgabe des Staates. Daher fordern wir als AWO Schwaben seit Langem, dass die Ausbildungskosten vom Staat übernommen werden. Außerdem ist die Wiedereinführung der Förderung von Investitionskosten unabdingbar. Aktuell werden diese Kosten, beispielsweise für die Instandhaltung des Gebäudes sowie Um- und Ausbauten, auf die Bewohnerinnen und Bewohner umgelegt. Insbesondere bei Neubauten führt die fehlende staatliche Investitionskostenförderung – die in anderen Bereichen wie Kita- oder Schulneubau übrigens selbstverständlich ist – zu massiven Kostensteigerungen. 

Was genau fordern Sie?

Wir als AWO Schwaben sehen grundsätzlich den Freistaat Bayern in der Pflicht, den Bau von Pflegeheimen mit Fördermitteln zu stärken, damit die Bewohnerinnen und Bewohner nicht mit Investitionskosten belastet werden. Wir brauchen ein verlässliches System, das sowohl Trägern als auch Pflegebedürftigen Planungssicherheit gibt. Dazu gehören auch bessere Rahmenbedingungen für Einrichtungen, damit wir weiterhin qualitativ hochwertige Pflege anbieten können.

Was muss sich im Pflegebereich noch ändern?

Als AWO Schwaben sprechen wir uns seit Jahren für die Deckelung des Eigenanteils an Heimkosten aus. Darüber hinaus bin ich ein Befürworter von solitärer Kurzzeitpflege – also einem spezialisierten, befristeten, vollstationären Pflegeangebot in eigenständigen Einrichtungen. Diese Einrichtungen bieten einen großen Mehrwert für die Patientinnen und Patienten. Sie sind eine hervorragende Lösung für den Übergang vom Krankenhausaufenthalt zurück in das eigene Lebensumfeld. Die Einrichtungen und das Personal sind auf die Versorgung von Kurzzeitpflegepatientinnen und -patienten spezialisiert und dadurch sehr gut auf die besonderen Anforderungen an Rehabilitation, kurzzeitiger Betreuung und den häufigen Wechsel der zu betreuenden Personen eingestellt. Aus meiner Sicht wäre es wichtig, mehr solcher Einrichtungen zu schaffen, um Seniorenheime, die eingestreute Kurzzeitpflegeplätze vorhalten, zu entlasten. Auch hier ist der Staat gefragt, solche Vorhaben finanziell zu fördern und zu unterstützen.

Welche Aspekte sind aus Ihrer Sicht wichtig, um die Pflege
zukunftsfähig zu gestalten?

Pflege braucht Freiraum. Standardpflege von der Stange darf es nicht mehr geben. Pflege sollte immer individuell gestaltet werden. Diesen Freiraum in der Ausgestaltung der Pflege muss der Gesetzgeber durch entsprechende Rahmenbedingungen geben. Im Prinzip geht es darum, die bestmögliche Lebensqualität für Pflegebedürftige zu schaffen. Pflege muss sich immer an den Bedürfnissen des einzelnen Menschen orientieren und darf nicht durch starre, von außen 
vorgegebenen Kriterien bestimmt werden.

 

Dieter Egger (VorstandsvDieter Egger (Vorstandsvorsitzender sowie Vorstand Personal, Altenhilfe und Behindertenhilfe der AWO Schwaben) fordert massive Änderungen  im Pflegebereich.  Foto: AWO Schwaben / Guido Köninger

Dieter Egger (Vorstandsvorsitzender sowie Vorstand Personal, Altenhilfe
und Behindertenhilfe der AWO Schwaben) fordert massive Änderungen
im Pflegebereich.

Foto: AWO Schwaben / Guido Köninger